Fischwilderei

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fischwilderei

Für manche scheint es wie ein schlechter Scherz. Doch es ist Realität. Es gibt tatsächlich im deutschen Strafgesetzbuch einen Paragraphen zur Fischwilderei. Genauer gesagt lässt sich dieser in § 293 des Strafgesetzbuches (StGB) wiederfinden. Was sich kurios und ein wenig lächerlich anhört, ist bereits seit über 80 Jahren Bestandteil unseres Strafrechts. Doch zunächst sollte geklärt werden, was unter einer Fischwilderei tatsächlich zu verstehen ist. Hierbei geht es nicht um die großen Fischkutter, die tagtäglich aufs Meer hinausfahren und dabei wohlmöglich gegen Gesetze verstoßen könnten.

Mit der Fischwilderei rücken vor allem normale Verbraucher in den Fokus, die beim Angel-Hobby häufig gegen geltendes Recht verstoßen. Wer unberechtigt angelt oder ein fremdes Fischereirecht verletzt, begeht eine Straftat. Viele wussten das bislang nicht. Auch für Kritiker erscheint das häufig nicht nachvollziehbar. Immerhin können bei Fischwilderei Freiheitsstrafen von bis zu 2 Jahre verhängt werden oder ersatzweise Geldstrafen. Nachvollziehbare Gründe, die ebenfalls unter diesen Paragraphen fallen, sind damit zusammenhängende Zerstörungen oder Beschädigungen.

Die Fischwilderei lässt sich praktisch als eine dogmatische Besonderheit definieren. Denn es muss hierbei nicht einmal zu einer Vollendung der Tat kommen. Es kann bereits ausreichen, eine Angel ins Wasser zu halten, ohne überhaupt einen Fisch an der Angel zu haben. Alleine diese Gegebenheit reicht aus, um der Fischwilderei überführt werden zu können.

Die Strafbarkeit liegt aber nicht alleine im Angeln direkt, sondern in 2 Gegebenheiten, die viele Angler nicht erfüllen können oder wollen. Zu einem sollten Interessierte dabei wissen, das es in Deutschland keine freien Gewässer mehr gibt. Das Recht zum Angeln und die jeweiligen Voraussetzungen sind zwar in jedem Bundesland teilweise unterschiedlich, dennoch strikt geregelt.

Wer eine Angel in der Hand hält, macht sich bereits dann der Fischwilderei schuldig, wenn er keinen staatlichen Angelschein vorzeigen kann. Der Angelschein genügt aber zumeist nicht. Für das ausgewählte Gewässer ist eine Erlaubniskarte im Voraus zu erwerben. Fehlt diese, kann ebenfalls eine Fischwilderei vorliegen.



Fischwilderei – Die Voraussetzungen

Oben hatten wir bereits die zwei wichtigsten Voraussetzungen (Angelschein und Erlaubniskarte) aufgeführt. Fehlen diese, liegt eine Fischwilderei vor. Der Angelschein wird von staatlicher Stelle (der Fischereibehörde) zeitlich be- oder unbefristet ausgestellt. Um diesen Ausweis erhalten zu können, ist es sogar notwendig, eine umfangreiche Prüfung abzulegen und an einem Lehr Kurs über mehrere Stunden teilzunehmen.

Erst wenn die Prüfung bestanden und der Angelschein ausgestellt wurde, haben Sie das Recht, in Deutschland nach Lust und Laune zu angeln, wäre da nicht die Erlaubniskarte. Beim Fehlen führt das unweigerlich zur Fischwilderei. Die Erlaubniskarte muss für jedes Gewässer neu gekauft werden. Zuständig ist meistens der Pächter oder dessen Vertreter. Mit der Karte (wird als Tages-, Woche-, Monats- oder Jahreskarte ausgestellt) erhalten Sie die Erlaubnis am zugewiesenen Gewässer zu den aufgeführten Bedingungen Angeln zu dürfen. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, liegt eine Fischwilderei vor.

Problematisch wird es insbesondere auch bei privaten Gewässern und Teichen. Dort kann aus der Fischwilderei schnell ein Diebstahl nach § 242 StGB werden. Übrigens muss es sich bei beiden Punkten nicht nur um Fische als solches handeln. Der Begriff ist im juristischen Sinne weit gefasst. So beinhaltet die Fischwilderei nicht nur Fische, sondern auch Krebse, Muscheln, Neunaugen und kann sich in einigen Bundesländern sogar auf Fischnährtiere ausweiten.

Weiteres sollte beachtet werden, dass aus der Fischwilderei auch eine Hehlerei hervorgehen kann, die nach § 259 StGB bestraft wird. Wer zum Beispiel Fische aus Fischwilderei veräußert oder ankauft, macht sich dem Gesetz nach der Hehlerei schuldig. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um 10 Kilo oder um nur einen einzelnen Fisch gehandelt hat.

Fischwilderei kann aber ebenso vorliegen, wenn die Fangquoten überschritten wurden (vorausgesetzt, das diese gesetzlich geregelt waren). Mit der Beschuldigung können zudem die Angelgeräte und Köder eingezogen und von der Staatsanwaltschaft verwertet werden. Maßgabe hierfür ist der § 259 StGB.

Geschichtlicher Rückblick

Die Fischwilderei ist keine Erfindung der Neuzeit. Bereits im letzten Jahrhundert fand man diese als Strafbestandteil im Gesetzbuch. So gab es damals unter anderem die Auffassung, das Fischwilderei dann vorliegt, wenn Fische und Krebse bei Nachtzeit oder unter Anwendung von Fackellicht geangelt werden würden. Das Gleiche galt auch dann, wenn dazu explodierende oder schädliche Stoffe eingesetzt wurden.

Erst mit dem Jahr 1935 wurde die Fischwilderei neu gefasst. Nun umfasste dieser Paragraph für das Fischen aber auch das Zueignen sowie beschädigen oder die Zerstörung von Sachen unter Verletzung fremden Fischereirechts. Dabei wurden im Laufe der Vergangenheit häufig harte Strafen ausgesprochen.

Eine Reform der Fischwilderei fand aber erst 1969 statt. Dort wurde das Strafmaß für besonders schwere Fälle auf fünf Jahre begrenzt. Erst mit dem Jahre 1998 wurden die Strafbestände der schweren aber auch zugleich der gewerbsmäßigen Fischwilderei komplett gestrichen.

Wie sieht es in der Praxis aus

Nach so viel trockener Theorie, ein Beispiel aus der Praxis. Ein 46-jähriger Angler in Duisburg stand wegen Fischwilderei vor Gericht. Der Mann angelte unerlaubt am Walsumer Nordhafen. Das alleine war nicht verboten. Aber der Umstand, dass der Mann über keinen Angelschein verfügte, machte alleine schon das Ansinnen zu einer Straftat.

Obwohl er keinen Fisch geangelt hatte, musste er eine Geldstrafe von 300 Euro bezahlen. Im Urteil selbst waren die Richter besonders hart. So machten diese klar und deutlich erkennbar, dass Fischwilderei kein Bagatelldelikt sei, sondern eine Strafsache. Das Amtsgericht Mitte in Duisburg beschäftigte sich damals mit dem Fall. Der Mann geriet an einen besonders harten Richter.

Interessant ist hierbei auch, dass der Mann lediglich nur einen Angelschein für den Rhein besaß, aber eben nicht für den Seitenarm, also für den Walsumer Nordhafen. Dadurch erkannte der zuständige Richter klar eine vorliegende Straftat. Aber auch berühmte Personen wie Sido und Bushido wurden schon wegen Fischwilderei angezeigt.

Insbesondere ist eine deutliche Anzahl in den letzten 5 Jahren zu spüren. Fakt ist aber auch, dass Fischwilderei nur in den seltensten Fällen bewusst ausgeübt wird. In der Regel erfolgt der Verstoß unwissentlich. Doch bekanntlich schützt mangelndes Wissen nicht vor einer Strafverfolgung. Der Mann aus Duisburg musste daher nicht nur eine Geldstrafe bezahlen, sondern in Folge der Straftat wurde auch seine Angel eingezogen.


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